
Obwohl Rückenschmerzen sehr häufig vorkommen, sind sie keineswegs eine simple Angelegenheit. Bei vielen Betroffenen bleibt die Ursache der ziehenden, manchmal stechenden oder plötzlich einschießenden Beschwerden unbekannt.
Die Ursache bleibt oft im Dunkeln
Technische Untersuchungen wie Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) bringen häufig keine oder nur eine vermeintliche Klärung. Denn der Zusammenhang zwischen Untersuchungsbefund und Beschwerden ist äußerst vage - manche Menschen mit heftigen Rückenschmerzen haben keinerlei Hinweise auf eine mögliche Ursache im Röntgenbild, Menschen ohne jegliche Rückenbeschwerden hingegen zeigen manchmal massive Veränderungen an der Wirbelsäule, und schließlich lassen sich bei fast jedem über 50-Jährigen Abnutzungserscheinungen an den Bandscheiben und den kleinen Wirbelgelenken feststellen, die Beschwerden hervorrufen können - aber eben nicht müssen. Außerdem spielen bei Rückenschmerzen psychische Faktoren wie Überforderung, mangelndes Selbstwertgefühl, Angst und Depression eine sehr große Rolle.
Dennoch: Was kann es sein?
Die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen sind Funktionsstörungen des fein abgestimmten Zusammenspiels der verschiedenen Strukturen im Rücken (Muskeln, Wirbelkörper, Wirbelgelenke, Bänder und Bandscheiben), durch Fehlbelastung und Abnutzung sowie Bandscheibenbeschwerden.
Weitere mögliche Gründe sind Osteoporose oder rheumatische Erkrankungen.
Bei 95% der Betroffenen handelt es sich um so genannte pseudoradikuläre Beschwerden*. Das bedeutet, dass keine aus der Wirbelsäule austretenden Nervenwurzeln an der Schmerzentstehung beteiligt sind.
Nur bei vier bis fünf Prozent der Rückenschmerzgeplagten sind Reizungen oder Schädigungen der Nervenwurzeln die Ursache der Beschwerden. Sie entstehen durch Bandscheibenschäden oder durch eine Spinalstenose, das ist eine knöcherne Verengung des Wirbelkanals. Diese Beschwerden werden als "radikuläre" Schmerzen bezeichnet und müssen ärztlich behandelt werden.
* Deutsches Grünes Kreuz e.V.: Aktiv gegen Rückenschmerzen. 2. Aufl., Marburg 2004
So kann man die Schmerzen unterscheiden
Pseudoradikuläre, also in der Regel harmlose Rückenschmerzen
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sind ein- oder beidseitig zu verspüren, und zwar in Rücken, Gesäß, Rückseite der Oberschenkel, eventuell in der Leiste; sie strahlen nur selten in Unterschenkel oder Fuß aus |
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fühlen sich dumpf und tiefsitzend an, sind eher schlecht zu orten, können ausstrahlen und führen zu morgendlichen Anlaufschwierigkeiten mit Steifigkeit. |
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verstärken sich durch Lagewechsel oder lange, eintönige Haltungen, Sitzen, Stehen oder beim Umdrehen im Liegen. |
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Radikuläre Schmerzen, die von einer geschädigten Bandscheibe herrühren,
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strahlen ins Bein aus und sind im Bein stärker als im Rücken |
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sind stechend oder ziehend und meist mit Empfindungsstörungen (Kribbeln, "eingeschlafenes Gefühl", Überempfindlichkeit oder Unempfindlichkeit bestimmter Hautareale am Bein) verbunden |
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verstärken sich bei Bewegung und besonders im Sitzen |
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lassen im Liegen nach, vor allem im Stufenbett. |
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Radikuläre Schmerzen bei Spinalstenose
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sind völlig uneinheitlich in Schmerzort und Schmerzart |
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nehmen allmählich zu, gehen teilweise mit Taubheitsgefühl und Muskelschwäche schon nach kurzer Gehstrecke einher |
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bessern sich beim Vorbeugen des Oberkörpers. |
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Alle Schmerzen, die vermutlich eine radikuläre Ursache haben, müssen unbedingt vom Arzt behandelt werden.
Einteilung nach der Dauer
Unter praktischen Gesichtspunkten werden pseudoradikuläre Rückenschmerzen häufig in Abhängigkeit von ihrer Dauer eingeteilt:
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Akute Rückenschmerzen dauern höchstens 4 Wochen |
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Subakute Rückenschmerzen dauern 4 Wochen bis 3 Monate |
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Chronische und rezidivierende (= wiederkehrende) Rückenschmerzen dauern über 3 Monate. |
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Die Schmerzdauer bestimmt die Behandlung
Akute pseudoradikuläre Schmerzen
Akute Rückenschmerzen sind kein Grund für eine längere Bettruhe und übermäßige Schonung!
Besser: frühe Rückkehr zur Alltagsaktivität, leichte Bewegung, Akupunktur, manuelle Therapie, Dehnungsübungen, Massage, Rückenschule. Kurzfristig Medikamente und äußerliche Behandlung z. B. mit à Dolormin Schmerzgel mit Ketoprofen 2,5%
Chronische pseudoradikuläre Schmerzen
Medikamente, stimulierende Verfahren wie Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation (TENS), therapeutische Lokalanästhesie, Kraft- und Ausdauertraining, Krankengymnastik, Rückenschule, ergonomische Veränderungen am Arbeitsplatz.
Bewegungstipp zur Vorbeugung pseudoradikulärer Rückenschmerzen: Legen Sie sich mit angewinkelten Knien auf den Rücken; die Füße stehen flach auf dem Boden. Drücken Sie die den unteren Teil des Rückens fest gegen die Unterlage, dann heben Sie ihn an, dass ein Hohlkreuz entsteht. Schultern und Gesäß bleiben während der ganzen Übung fest auf dem Boden. *
* Healthy Bones, Muscles & Joints. Reader`s Digest Association London 2006, S. 183,, derzeit in deutscher Bearbeitung.
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